04.12.2020
Konferenz zum Thema Lehrerbildung in Bamberg

Eintrag vom 30.10.2020


Konferenz zum Thema Lehrerbildung in Bamberg

Landesvorsitzender Pankraz Männlein bei der Eröffnung der ARGE ALP Sitzung

 

Berufsschullehrer/innen aus Österreich, der Schweiz, Südtirol, Baden-Württemberg und Bayern

konferieren in Bamberg zum Thema Lehrerbildung für beruflichen Schulen

 

Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft der Lehrkräfte an beruflichen Schulen der Alpenländer Österreich, Schweiz, Südtirol, Baden-Württemberg und Bayern (ARGE ALP) trafen sich Ende September auf Einladung des Verbandes der Lehrer an beruflichen Schulen in Bayern (VLB) zu ihrer jährlichen Konferenz. Als Tagungsort wählte die ARGE ALP 2020 die Weltkulturerbestadt Bamberg. Themenschwerpunkt der diesjährigen Veranstaltung waren aktuelle Entwicklungen der Lehrerbildung in den Mitgliedsländern.

Neben dem derzeit im Bildungssystem allgegenwärtigen Thema Corona und wie die beruflichen Schulen in den jeweiligen Ländern mit den davon ausgehenden Herausforderungen umgehen, ging es beim Schwerpunktthema um die Bereiche der Lehreraus-, -fort und -weiterbildung mit all ihren Facetten. Hier brachten sich Prof. Dr. Karl-Heinz Gerholz (Professur für Wirtschaftspädagogik an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg) zur universitären Phase der Lehrkräfteausbildung und Dr. Volker Ehlers (Leitender Vorstand des Staatlichen Studienseminars für das Lehramt an beruflichen Schulen in Bayern) zur zweiten Phase, dem sog. Referendariat, mit ihrer Expertise ein und diskutierten mit den Vertretern der Lehrerverbände innovative Ausbildungskonzepte. Ergänzend dazu berichtete Studiendirektorin Margot Selzam als Seminarlehrerin über den Ausbildungsalltag von Referendarinnen und Referendaren an der Staatlichen Berufsschule III Bamberg Business School. Gerhard Topinka (Leitender Regierungsschuldirektor bei der Regierung von Oberfranken) rundete das Thema mit der Betrachtung der dritten Phase der Lehrerbildung ab und gab aus oberfränkischer Perspektive konkrete Einblicke in die – nicht zuletzt hervorgerufen durch die digitale Transformation – immer bedeutender werdende Lehrerfort- und -weiterbildung. Ein besonderer Fokus lag auf dem bayerischen Konzept der Universitätsschule, das in Deutschland wohl einzigartig ist. Diese Konzeption vernetzt die Universität mit den beruflichen Schulen und versucht die angehenden Lehrkräfte mit der Realität beruflicher Bildung möglichst frühzeitig zu konfrontieren. Auf diese Weise wird ein wichtiger Beitrag zur Qualität der Lehrerbildung sowie indirekt auch zur Fachkräftesicherung geleistet. 

Damit dies auch in der Zukunft so bleibt, muss der Lehrerbildung weiterhin hohe Aufmerksamkeit gewidmet werden. Daher fordern die Mitglieder der ARGE ALP:

-  Standards der Lehrerausbildung dürfen nicht gesenkt werden;

-  Lehrkräfteausbildung muss weiterhin an den Universitäten verortet bleiben;

-  Referendariat darf nicht weiter verkürzt werden;

-  Lehrkräfteweiterbildung muss gestärkt werden, insbesondere im digitalen Bereich;

-  Quer- und Seiteneinsteiger müssen nachqualifiziert werden;

-  Unterrichtsversorgung an beruflichen Schulen ist deutlich zu verbessern.

 

Zum Schluss: Resümierende Aussagen der Vertreter der ARGE ALP zu zentralen Fragen und Zielen der beruflichen Bildung:

Silvia Seiwald und Werner Radmüller vom Autonomen Südtiroler Gewerkschaftsbund ASGB plädieren dafür: „Der Einstieg in den Lehrberuf, wie er an deutschen Schulen praktiziert wird, sollte als Modell für die Neuorganisation der Lehrkräfteausbildung in Südtirol dienen.“

Ähnlich argumentiert Dr. Markus Costabiei, Leiter des Referats für Berufspädagogik bei der Südtiroler Landesverwaltung in Bozen: „Gerade die Lehrerbildung in Zeiten der Digitalisierung braucht mehr fachliche Urteilskraft, didaktisches Denken und politische Mündigkeit, weshalb diese Kompetenzen bei den Lehrkräften zu stärken sind.“

Christoph Thomann vom Schweizerischen Verband BCH sieht großen Handlungsbedarf bei der Lehrerfortbildung: „Es braucht dringend mehr Fortbildungszeit, ansonsten gefährden wir die Unterrichtsqualität.“ 

Michaela Keinath vom Berufsschullehrerverband Baden-Württemberg (BLV) schlägt in die gleiche Kerbe: „Sinnvoll wäre die Förderung der Orientierung auch des Vorbereitungsdienstes an den Kernaufgaben beruflicher Bildung bei gleichzeitiger Reduktion der ausufernden Querschnittsaufgaben.“

Pankraz Männlein, Landesvorsitzender des VLB, setzt den Schlusspunkt: „Die Anstrengungen zur Aus-, Fort- und Weiterbildung müssen weiter intensiviert werden. Gerade in Zeiten von Corona und Digitalisierung sind unsere Kolleginnen und Kollegen für die digitale Transformation fit zu machen. Erfolgreiche berufliche Schulen brauchen erstklassig qualifizierte Lehrkräfte.“

Bereits seit über 30 Jahren treffen sich die Ländervertreter der ARGE ALP zu ihrer jährlichen Konferenz, bei der es vor allem um die inhaltliche, institutionelle und organisatorische Gestaltung einer zukunftsweisenden beruflichen Bildung sowie den dazu notwendigen Rahmenbedingungen geht.

Dr. Jörg Neubauer

 

Dr. Christoph Thomann bei seiner Präsentation aus der Schweiz

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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